Der Begriff des Topos (zu altgr. τόπoς, »Ort«) geht auf den
grichischen Philosophen Aristoteles zurück; als Teilbereich der Rhetorik
entwickelte er die Topik als Lehre von dem »Ort« im Gedächtnis, wo
ein bestimmtes Argument gefunden werden kann.
In der heutigen Forschung wurde der Begriff von zahlreichen Disziplinen
aufgegriffen, vor allem in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften,
beispilsweise in den Disziplinen der Linguistik, der
Literaturwissenschaft und der Bildwissenschaft;
hier bezeichnet man als Topoi Kategorien und (Vorstellungs-)
Bilder, die in einem bestimmten assoziativen Kontext stehen, der
intersubjektiv kommunizierbar ist oder einfach »gewusst« wird. Es besteht
also auch eine enge Verwandtschaft zum Motiv.
Ein Beispiel aus der Literatur: Ein bekannter Topos ist der des »lieblichen
Orts« in der Natur (lat. locus amoenus), an dem die Handlung
vorübergehend inne hält.
Topoi sind dynamisch, definitorisch allenfalls zu umreißen und stehen in
einem engen kulturellen Kontext; sie entziehen sich daher der
konventionellen hierarchischen Klassifikation. Andererseits eignen sich
Topoi dadurch auch ideal für die Arbeit mit dem komplexen Seherlebniss von
Bildern, das immer vielschichtig und mehrdimensional ist